Alltagstypografie (1)

In der Schule lernt der Mensch das Rechnen und das Schreiben. Typografie hingegen lernt er nicht. Der richtige und souveräne Umgang mit den Schriftzeichen fällt vielen Zeitgenossen oft schwer. Gelegentlich schmunzelt der Fachmann über die typografischen Abenteuer der Dilettanten.

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Verdrehte oder spiegelverkehrte Buchstaben im öffentlichen Raum – was kümmert es den ahnungslosen Passanten? Manchmal verblüfft aber auch der spielerische Umgang mit Schrift. Und nicht nur die Jugend zeigt sich da besonders erfinderisch.

Sporadisch möchte ich immer mal wieder einige dieser typografischen Fundstücke aus dem Alltag zeigen. Auf eine systematische Klassifikation will ich dabei verzichten. Schrift und Typografie kommen hier mal nostalgisch, dann naiv, mal professionell und dann wieder stümperhaft daher. Immer aber sind sie – bewusst oder unbewusst – Ausdruck unseres kulturellen Selbstverständnisses.

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Die Frage, ob der Autor Kenntnis des Feuerbachschen Diktums – »Der Mensch ist, was er ißt« – hatte oder nicht, muss unbeantwortet bleiben. Bemerkenswert ist allerdings der Fundort. Auf dem Isemarkt, der unter der U-Bahn-Strecke Hoheluft–Eppendorfer Baum zweimal in der Woche stattfindet, offerieren bekanntlich auch viele Imbissbuden ihre Waren.

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Als der Schreiber das große »P« in »GESPERRT« vollendet hatte, muss das Entsetzen ob des nunmehr fehlenden Raums für den Rest des Wortes groß gewesen sein.

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Ich bin heute einmal so kühn und behaupte frech, dass mindestens 50 bis 70% der Werbeservice-Unternehmen, die Folienschriften herstellen, kein typografisches Gewissen haben. Schriften in die Breite zu ziehen oder zu stauchen, gehört dabei zu den häufigsten Vergehen.

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Statt »Freizeit-Fun-Erlebnis-Bad« oder »Waterworld«: einfach nur »Familienbad«. Klingt das nicht wunderschön altmodisch? Ob sich in diesem Bad auch heute noch drei Generationen ein Badetuch teilen?

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Bietet »Börni« seine Dienstleistungen eigentlich in oder mit dem LKW an?

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Improvisation ist alles – solange die Namensschilder, das Klingelbrett und die Briefkästen noch nicht installiert sind.

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Diese Kleingärtner lieben ihren Garten – das sieht man.

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Eine Schrift, die sich nicht zwischen Vorwärtsgang und Rückwärtsgang entscheiden kann …

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Die Folie ist weg – die Schrift bleibt …

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Eine »7« aus einer »0« abzuleiten – darauf muss man erst einmal kommen …

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Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die Speisekarte des »China-Mannes« doppelt so lang ist wie die des Italieners.

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Wenn Anstreicher anstreichen …

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