Eine typografische Kurzgeschichte

Es ist ein Morgen wie jeder andere. Der chronischer Zustand, in dem ich mich befinde und den die Kollegen gewöhnlich mit »senile Bettflucht« beschreiben, treibt mich schon früh aus dem Haus und ins Büro. Ich steige nicht in den Bus, will lieber gehen. Es ist noch dunkel und die Luft ist kalt.

Der sogenannte Berufsverkehr, der heute immer auch und immer noch ein motorisierter Individualverkehr ist, wird von mir »naturgemäß« (Bernhard) ignoriert. Ich trage Kopfhörer. Die Musikerin Erika Stucky, die ich ebenso verehre wie bewundere, begleitet mich mit ihrer Interpretation von »A Whiter Shade of Pale« (Original von Procul Harum, 1967) die Alsterdorfer Straße entlang. Tuba und Posaune bestimmen meinen Pulsschlag … »and although my eyes were open / they might just have well been closed.«

Dann geschieht etwas Unerwartetes. Plötzlich, mit einer kaum noch zu ertragenden und plump zur Schau gestellten Selbstverständlichkeit steht er da: »DER SACK«. In großen Buchstaben fordert er mich eindringlich auf: »RUF…MICH…AN!« Ich lasse ihn jedoch links liegen.

Wofür in beiden Fällen die drei Auslassungspunkte – ohne Leerzeichen! – stehen, darüber grübel ich noch heute. Typografen-Schicksal.

der_sack

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Eine Antwort to “Eine typografische Kurzgeschichte”

  1. Tippi Says:

    Hmm …

    Wenigstens sind die Anführungszeichen korrekt, wenn ich das auf diesem Bild richtig erkenne. Wenn man über Falsches grübelt, dann darf man sich auch über Richtiges freuen.

    Oder?

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