Mit der Kettensäge gegen die Bleiwüste

… zurück zur Werbung. Die Firma Stihl ist uns bekannt als Hersteller technischer Geräte. Mit Motorsägen, Heckenscheren, Saughäckslern, Rasenmähern, Freischneidern, Hochdruckreinigern etc. sorgt sie dafür, dass Männer genau das Spielzeug erhalten, welches ihr Handwerkerherz begehrt.

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Auf der anderen Seite des großen Teichs demonstriert das Unternehmen in Zeitungsanzeigen die Präzision der technischen Geräte auf eine unkonventionelle und sympathische Weise. Nicht nur im Alltag von Gärtnern, Reinigungskräften und Forstarbeitern haben diese Werkzeuge sich traditionell und tausendfach verdient gemacht, sondern sie prägen zunehmend auch das Tagesgeschäft von Werbern und Grafikern. In unserer Branche nennt man dieses Modell kreativen Denkens übrigens »Reframing«.

Kulturtheoretische Randbemerkung: Sich mit Hilfe von Körperprothesen – nichts anderes als Ergänzungen und Verlängerungen unserer defizitären körperlichen Ausstattung stellen diese Geräte schließlich dar – eine Gottähnlichkeit zu verschaffen, ist das Bestreben des Menschen. Das wissen wir seit Siegmund Freuds »Unbehagen in der Kultur«. Dieser Wunsch nach Körperextension hat aber auch seine Schattenseiten. So kann sich der Ordnungssinn amerikanischer Vorstadtbewohner auch schon einmal nachteilig auf deutsche Sportwagen auswirken. Zugegeben, man hätte dazu auch eine Corvette nehmen können. Aber so ist die Schadenfreude noch ein wenig größer. Ja, sogar schon Kinder können die – ganz und gar nicht harmlose – Qualität der Stihl-Produkte hautnah erleben. Die Ambivalenz kraftvoller Technik ist offenkundig, wie uns dieser Arbeiter demonstriert. Zweifelhaft bleibt zunächst, ob der »entfesselte Prometheus« sein Ziel immer errreicht. Darüber hinaus belehrt uns ein anderes Filmchen, dass schon die Intelligenz (bzw. der Spieltrieb) eines Hundes ausreicht, um ein technisches Gerät zu bedienen. Und dass es schließlich schlechte (nicht bösartige!) und gute Motorsägen gibt, ist uns spätestens seit diesem Thriller bekannt. Tja, die Amerikaner gehen mit ihren Prothesengöttern recht humorvoll um. In Deutschland sieht ein Stihl-Werbespot wahrscheinlich immer noch so aus.

Aber zurück zur Typografie. Eine ähnliche Spielerei mit Buchstaben wie in den Stihl-Anzeigen praktizierte damals eine nicht unbekannte Vodka-Marke in einer ihrer berühmten Print-Anzeigen. Die anziehende Wirkung von Alkohol auf Buchstaben wurde so visualisiert. Auch schön.

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Eine Antwort to “Mit der Kettensäge gegen die Bleiwüste”

  1. TPR-Vertrieb Reinbold - Ihr Forst und Gartenprofi Says:

    Interessanter Beitrag, wobei Husqvarna der Firma Stihl immer mehr den Rang abläuft.

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