ex und currere

Als guter Dozent will man den Nachwuchs-Kreativen ja auch mal etwas Besonderes bieten. Im Rahmen des regulären Unterrichts ist das erfahrungsgemäß nur bedingt möglich. Da muss man sich schließlich mit so elementaren und profanen Dingen wie der Schriftklassifikation oder der Frage nach einer gelungenen Schriftmischung, der besten Schriftgröße, des optimalen Zeilenabstandes, der richtigen Spaltenbreite und der passenden Laufweite etc. auseinandersetzen.

spiegel_2009

Deshalb hieß das Zauberwort am letzten Tag in diesem Sommersemester wieder einmal: Schulausflug. Exkursion. So besuchte ich am vergangenen Montag mit meinem Typografie-Seminar der Kunstschule Wandsbek den Spiegel-Verlag. Anfang des Jahres war ich schon einmal mit einer Gruppe dort. Für den Studierenden stellt der Alltag des Profis immer etwas Besonderes dar. Und die Chance, Einblicke in die Praxis zu bekommen, ist für die meisten der 20-Jährigen durchaus ein Grund, sich – zumindest für wenige Stunden – vom Mac zu trennen.

Im legendären Konferenzraum Nr. 4 im 12. Stock des Hauses wurden wir von je einem Kollegen aus der Redaktion und dem Layout begrüßt. Die gefürchteten Powerpoint-Präsentationen, die bei Studierenden schnell einen Informations-Overkill verursachen, kamen diesmal nicht zum Einsatz. Statt dessen suchte man das Gespräch. Zunächst zaghaft, dann aber auch mutiger, stellte man die ersten Fragen. Der Spiegel-Grafiker schilderte seinen Alltag als Layouter für das Nachrichten-Magazin aus Hamburg präzise und eloquent: Musterseiten und Stilvorlagen, QuarkXPress und Redaktionssystem, Konferenzen und Korrekturen, Text- und Foto-Redaktion, Dokumentation und Chef vom Dienst, Infografik und Schlussgrafik. – Aha.

Wenn ich die Fragen und die Kommentare meiner Studenten richtig deute, dann schienen sie etwas irritiert, wenn nicht gar enttäuscht gewesen zu sein. So hatten sie sich den Job eines Grafikers vielleicht doch nicht vorgestellt. Viel Routine, kaum Gestaltungsspielräume, die ewigen Korrekturphasen, die Titelseite macht sowieso ein anderer Grafiker oder Illustrator … – wo bleibt denn da – bitteschön – die Kreativität? Die Kollegen in der Brandstwiete müssen also vermutlich nicht befürchten, mit Bewerbungen von Studierenden aus dieser Gruppe überschüttet zu werden …

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2 Antworten to “ex und currere”

  1. Bassi Says:

    Oh, da wäre ich auch gern gewesen! Kann man sich mit einhaken, wenn du nochmal so eine Exkursion machst? Die bei Einsatz fand ich nämlich auch nicht schlecht.

  2. Bassi Says:

    Weil ich nicht weiß, wie ich auf die eMails antworten soll, schreibe ich einfach mal hier meine Antwort:
    Ich habe mir die Seite mal angeschaut und werde heute Abend mal das Stravinsky-Plakat einschicken. Mal gucken ob’s genommen wird!

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