Magazin-Gestaltung im 3. Semester (Vol. 3)

Dass eine Doppelseite anders anzugehen ist als eine Einzelseite, oder dass ein dreispaltiger Gestaltungsraster andere Optionen bietet als ein zweispaltiger, dieses sollten die Studenten des 3. Semesters der Kunstschule Wandsbek im Fach Typografie erfahren und lernen.

Wie kann man das Text-Bild-Verhältnis spannungsreich gestalten? Wie wichtig ist Weißraum? Wie funktionieren Rhythmus, Proportionen und Kontrast? Woran erkenne ich eine gute Heftdramaturgie? Wie erzielt man eine gute Lesbarkeit?

Konkreter gerfagt: Wie breit müssen die Stege sein? Wie differenziert, gewichtet und organisiert man optimal die Elemente Headline, Einlauftext, Fließtext, Bildunterschriften, Zitate, Rubrikentitel und Pagina?

Diese Fragen mussten bei dem Projekt eines fiktiven Kultur- und Kunstmagazins beantwortet werden. Auf mindestens drei Doppelseiten sollten die Studenten außerdem beweisen, dass sie Schriftwahl, Schriftmischung, Schriftgröße, Laufweite, Auszeichnungen, Zeilenabstand, Spaltenbreite und Spaltenabstand souverän zu bestimmen wissen. Unterzubringen waren eine Reportage, ein Interview und ein Lebenslauf.

Von den knapp 80 abgegebenen Arbeiten will ich die gelungensten hier zeigen und kurz kommentieren. Möglichen Kritikern sei gesagt, dass es sich um Arbeiten von Typo-Anfängern handelt. Studenten im 3. Semester können noch nicht die Erfahrung und Leichtigkeit aufweisen wie ein Profi. Dass die Layouts viele gestalterische Gemeinsamkeiten aufweisen, liegt zum Teil in der Natur der Sache. Schauen Sie also bitte auf die Lösungen im Detail.

Rückblickend fällt auf, dass sich die Studenten ausnahmslos eher an der traditionellen Typografie orientiert haben. Mutige, experimentelle und avantgardistische Ansätze, die dennoch im Sinne einer Lesetypografie funktionieren, waren nicht dabei.

Der Dozent jedenfalls freut sich über die Qualität der hier präsentierten Arbeiten. Und trotz der Schinderei und der nervenaufreibenden Korrekturgespräche hat es ja auch (vielleicht?) ein wenig Spaß gemacht.

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David Kolb hat neben der Pflicht (drei Doppelseiten) auch noch die Kür (Editorial und Inhaltsverzeichnis) geschafft.

David Kolb — Magazingestaltung

[1] Das Editorial kommt als großer Einspalter daher … und füllt daher nicht den kompletten Satzspiegel in der Breite.

David Kolb — Magazingestaltung

[2] Aufgeräumt und übersichtlich ist das Inhaltsverzeichnis. Leider sind die Bilder nicht klar den jeweiligen Artikeln zugeordnet.

David Kolb — Magazingestaltung

[3] Großes Bild und wenige Worte, so beginnt die Reportage.

David Kolb — Magazingestaltung

[4] Keine Angst vor langen Texten. – Gut gemacht: drei verschiedene Bildgrößen auf einer Doppelseite.

David Kolb — Magazingestaltung

[5] Behutsamer Einsatz der Sonderfarbe.

David Kolb — Magazingestaltung

[6] Die letzte Seite der Reportage, …

David Kolb — Magazingestaltung

[7] … bevor der Lebenslauf beginnt. Die Kolumnen links korrespondieren deutlich mit dem Foto auf der rechten Seite.

David Kolb — Magazingestaltung

[8] Das Interview ist nun dreispaltig und im Flattersatz gesetzt. Nie wird der Lesefluss unterbrochen. Auffällig sind die überdimensionalen Anführungszeichen. David kombiniert geschickt fünf kleine Bilder mit einem großen. Trotz der vielen Elemente wirkt die Doppelseite nicht zu unruhig.

David Kolb — Magazingestaltung

[9] Ein solches Bildmotiv kann natürlich nur oben stehen – der Himmel bleibt grenzenlos.

[10] David setzt für sein Projekt unter anderem die TheSerif (Lucas de Groot) und die Gotham (Tobias Frere-Jones) ein.

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Das Layout von Katharina Godbersen demonstriert, wie man größere Textmengen unaufgeregt mit unterschiedlichen Bildformaten und -größen kombinieren kann.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[1] Das Editorial.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[2] Das doppelseitige und oben aufgehängte Inhaltsverzeichnis im linksbündigen Flattersatz mit vorangestellten Seitenangaben.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[3] Die Aufmacher-Seite verbindet die zentriert ausgerichtete und zweifelsohne kalauerverdächtige Headline in Versalien einer schmalfetten Grotesk sowie den Einlauftext mit einem hochformatigen Foto in Satzspiegelgröße.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[4] Die Pagina ist im unteren Viertel der Randstege untergebracht. Die Reportage beginnt mit einem großen Initial …

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[5] … und wird auf der nächsten Doppelseite fortgesetzt. Innerhalb des bestehenden Satzspiegels wird die dreispaltige Reportage oben nun mit einem zweispaltigen Interview unten kombiniert. Die großzügig bemessenen Stege entfalten dann ihre Wirkung, wenn einige wenige Bilder randabfallend positioniert werden.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[6] Ein grau hinterlegter Lebenslauf über zwei Spalten in der Höhe des Satzspiegels steht am Ende der Reportage.

Katharina Godbersen — Magazingestaltung

[7] In den Headlines kommt die Bebas — ein Freefont — zum Einsatz.

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Jan-Philippe Hoorn entscheidet sich für ein zweispaltiges Layout.

Jan-Philippe Hoorn — Magazingestaltung

[1] Klare Größenkontraste zwischen Headline, Einlauftext und Fließtext sind wichtig.

Jan-Philippe Hoorn — Magazingestaltung

[2] Die üppig proportionierten Randstege bieten viel Platz für Bildunterschriften. Die Zitate stehen innerhalb des Fließtextes, sprengen aber die gewöhnliche Spaltenbreite, ändern ihre Ausrichtung je nach Position und sind farbig hervorgehoben.

Jan-Philippe Hoorn — Magazingestaltung

[3] Ein ausgewogenes Text-Bild-Verhältnis lässt keine Langeweile aufkommen.

Jan-Philippe Hoorn — Magazingestaltung

[4] Für das Interview verschwindet die Marginalspalte, sie wird hier nicht gebraucht. Innerhalb des Satzspiegels werden die beiden Spalten dadurch breiter. Damit es trotzdem nicht zu eng wird, werden die Antworten deutlich eingerückt. Unspektakulär, aber deutlich gekennzeichnet steht der Lebenslauf in der letzten Spalte der Doppelseite auf einem farbigen Fond.

Jan-Philippe Hoorn — Magazingestaltung

[5] Jan arbeitet mit der PMN Caecilia, einer Slab Serif von Peter Matthias Noordzij. Die Kursive ist besonders lebendig.

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Laura Steindorf mag es streng und schnörkellos.

Laura Steindorf — Magazingestaltung

[1] Größer kann man ein hochformatiges Bild nicht auf einer Seite platzieren. Über die Farbe der Headline kann man streiten. Eine äußere Marginalspalte gibt Raum für Bildunterschriften, die in einem kleineren Schriftgrad gesetzt sind als der Fließtext.

Laura Steindorf — Magazingestaltung

[2] Zitate lockern den Fließtext auf … und natürlich dürfen Bilder auch einmal angeschnitten werden. Und wenn es die Spaltenbreite erlaubt, dann können Fotos auch mal in die Nachbarspalte wandern und den Text verdrängen. Üppige Stege sorgen dafür, dass die Kolumnen den Leser nicht erschlagen.

Laura Steindorf — Magazingestaltung

[3] Aus zwei werden plötzlich drei Spalten. Der Blocksatz mutiert zum Flattersatz. Die Reportage endet auf der linken Seite, während rechts das Interview abgedruckt wird. Text- und Hintergrundfarbe ändern sich unübersehbar.

Laura Steindorf — Magazingestaltung

[4] Der Übergang zur letzten Doppelseite des Artikels ist geschafft.

Laura Steindorf — Magazingestaltung

[5] Laura benutzt die Scala Sans von Martin Major.

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Lana-Mariesa Schütt ignoriert frech einige Briefingvorgaben …

Lana-Mariesa Schütt — Magazingestaltung

[1] … und verändert die Bildproportion, um aus dem hochformatigen Foto fast ein Quadrat zu machen. Dadurch wirkt der Zweispalter auf der rechten Seite betont schlank. Die Pagina wird mit dem Rubrikentitel verbunden und stellt ob ihrer Größe auch für Sehbehinderte kein unüberwindbares Problem dar.

Lana-Mariesa Schütt — Magazingestaltung

[2] Bilder werden seitlich randabfallend platziert. Die Marginalspalte ist für Bildunterschriften schon ein wenig zu schmal. Die eingeführte Schulterhöhe hingegen stimmt den Leser aber wieder versöhnlich.

Lana-Mariesa Schütt — Magazingestaltung

[3] Absätze werden mit einem Erstzeileneinzug markiert, Abschnitte beginnen nit einem hängenden Initial über drei Zeilen. Davor steht eine Leerzeile. Der überschaubare Lebenslauf wird in die Doppelseite integriert.

Lana-Mariesa Schütt — Magazingestaltung

[4] Die letzte Doppelseite zeigt das Interview. Fragensteller und Antwortgeber werden deutlich ausgezeichnet. In diesem Fall darf man auch schon einmal auf den Erstzeileneinzug verzichten. Die eingebauten Zitate sind eher Blickfang und lockern so das Layout ein wenig auf. Der Lesefluss wird dadurch nur unerheblich unterbrochen.

Lana-Mariesa Schütt — Magazingestaltung

[5] Lana nutzt für die Fließtexte die Frutiger, für Headlines und Zitate kommt Slimbachs Utopia zum Einsatz.

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4 Antworten to “Magazin-Gestaltung im 3. Semester (Vol. 3)”

  1. redpixelblog Says:

    Sehr schöne Arbeiten. Bin begeistert über die Vielfältigkeit.

  2. Martin Z. Schröder Says:

    Die Arbeiten sprechen sehr für den Lehrer und seinen Unterricht. Kompliment!

  3. Michael Wassenberg Says:

    Das Kompliment nehme ich gern an — und gebe es gleich weiter an meine Studenten.

  4. Martin Z. Schröder Says:

    Ohne gute Studenten kommt auch der gute Lehrer nicht weit, völlig richtig.

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