Magazin-Gestaltung im 3. Semester (Vol. 5)

Wenn die Plakatgestaltung ein 100-Meter-Lauf ist, dann ist die Gestaltung eines Magazins ein halber Marathon. Beide Projekte stehen im dritten Semester im Fach Typografie auf dem Lehrplan der Kunstschule Wandsbek.

Für den Titel, das Editorial (Vorwort), das Inhaltsverzeichnis und mindestens drei Doppelseiten aus dem Inhalt eines fiktiven Magazins hatten die Studenten etwa sechs Wochen Zeit. Es wurde mit Blindtext gearbeitet, lediglich die Headline sollten die Studenten selber texten. Teilweise wurden die Bilder vor Projektbeginn von den Studenten selbst angefertigt.

In einem Einführungsvortrag erläuterte ich zunächst die Grundlagen der Magazingestaltung. Die einzelnen typografischen Elemente und alle wichtigen Fachtermini wurden benannt, erklärt und beispielhaft an verschiedenen Layouts visualisiert.

Der typografische Nachwuchs hatte eine große Menge an Informationen zu verarbeiten. Und naturgemäß stellten sich viele Fragen. Wählt man zwei oder besser drei Spalten? Lassen diese sich womöglich innerhalb eines Gestaltungsrasters kombinieren? Blocksatz oder Flattersatz? Antiqua im Fließtext und eine Grotesk für die Headlines? Oder doch lieber eine Egyptienne? Aber welche? Wie großzügig will man mit dem Weißraum sein? Strebt man ein kompaktes oder ein eher luftiges Layout an? Wie soll das Text-Bild-Verhältnis proportioniert sein? Müssen Pagina und Rubrikentitel in der Größe des Fließtextes gesetzt werden? Welche Funktion haben eigentlich die Zitate? Wie weit weg dürfen die Bildunterschriften vom Bild stehen? Schließlich: muss man als Student wirklich alle fünf Seiten des Briefings — der Dozent hatte es doch nur gut gemeint — lesen?

»Weniger ist mehr« — in zahlreichen Gesprächen warb ich für diese alte Designer-Weisheit. Auch sollten die Studenten ihre gestalterischen Entscheidungen stets begründen können. Manche trennten sich nur schwer von übergroßen Balken für den Rubrikentitel und Seitenzahlen in 48 Punkt Schriftgröße.

Aber auch in diesem Semester waren wieder einige gute Arbeiten dabei. Sie konnten am Tag der offenen Tür begutachtet werden. Exemplarisch zeige ich hier das Layout von Swantje Roersch.

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Swantje Roersch — Magazingestaltung

[1] Das Editorial präsentiert sich als Zweispalter im linksbündigen Flattersatz mit herausgerückter Überschrift.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[2] Mit dem dreispaltigen Gestaltungsraster wird ein weiteres Gestaltungselement schon gleich im Inhaltsverzeichnis eingeführt: der tanzende Kolumnenfuß. Bilder im Hoch- und Querformat werden am Kopf angeschnitten.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[3] Der Rockwell im fetten Schnitt für die Überschrift und im Einlauftext (bold italic) wird die Myriad als Fließtextschrift beigesellt. Bildunterschriften (Myriad italic) dürfen auch mal im Foto stehen.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[4] Ein breiter Randsteg ermöglicht es, Bilder auch mal aus dem Satzspiegel zu rücken. Zitate können als Ein- und Zweispalter in den Fließtext integriert werden.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[5] Bildunterschriften stehen unmissverständlich unter oder neben dem jeweiligen Bild. Auch längere Bildunterschriften sollten so problemlos zu platzieren sein.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[6] Keine Regel ohne Ausnahme: Hier wird das Zitat herausgerückt. Und warum soll eine Bildunterschrift nicht auch mal zweispaltig sein?

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[7] Drei kleine, untereinander angeordnete Bilder im fast quadratischen Format bilden ein gutes Gegengewicht zum extremen Querformat auf der gegenüberliegenden Seite.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[8] Geschickt gemacht: ein Interview als Zweispalter einer Doppelseite. Am Fuß derselben dann ein die Horizontale betonender Lebenslauf.

Swantje Roersch — Magazingestaltung

[9] Gut definierte Kontraste in Größe, Gewicht und Farbe erlauben auch die Mischung von zwei Schriften, die formal und stilistisch nicht die gleichen Merkmale aufweisen.

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