Einbandgestaltung

Nach den doch eher experimentellen Arbeiten forderte ich die Studenten meines Typografieseminars an der Kunstschule Wandsbek mit dem vierten Projekt in diesem Sommersemester nunmehr zur typografischen Bescheidenheit auf. Die Studenten sollten beispielhaft drei Bucheinbände für eine wissenschaftliche Reihe gestalten. Die Paperbacks hatten alle die gleiche Größe, lediglich die Rückenstärke variierte.

Einbandgestaltung — Aufmacher

Es stellten sich sogleich folgende Fragen: Welche Schriften kommen in Frage? Wie gewichtet und platziert man Autor, Titel, gegebenfalls einen Untertitel und das Verlagslogo auf der ersten Umschlagseite? Wie und in welcher Reihenfolge kann man diese Informationen auch auf dem Rücken optimal zur Geltung bringen? Welche Rolle spielen Farben und Elemente wie Linien und Flächen? Sind grafische oder gar illustrative Elemente in einer Reihengestaltung noch angemessen? Wie modern, wie plakativ, wie laut darf ein solcher Entwurf sein?

Nachdem die Studenten einen Blick auf die Arbeiten von Fleckhaus, Willberg, Forssman und anderer Buchgestalter geworfen hatten, ging es ans Werk. Veranschlagt wurden zwei bis drei Unterrichtseinheiten (à 4,5 Stunden). — Hier präsentiere ich eine Auswahl der gelungensten Arbeiten aus dem 3. Semester.

Janina Peters

[1] Janina Peters setzt auf ganzflächige Farbhintergründe. Mit der Adobe Garamond Pro wählt sie eine uns bestens vertraute und vielfach bewährte Schrift. Mehr Zurückhaltung geht kaum noch.
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Maximilian Dammert

[2] Kräftiger in der Farbwahl und im Duktus der Schrift fällt der Entwurf von Maximilian Dammert aus. Er entscheidet sich für die Swift von Gerard Unger aus den 1980er Jahren. Sehr selbstbewusst steht das Verlagslogo noch über dem Autor und dem Titel.
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Jan Schulz

[3] Jan Schulz spendiert seinen farbigen Hintergründen noch einen weißen Rahmen. Er präferiert die Minion, eine moderne Interpretation der französischen Renaissance-Antiqua von Robert Slimbach.
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Lina Borchmann

[4] Lina Borchmann teilt die Fläche des Einbandes horizontal in zwei Teile. Die helle Farbfläche steht jeweils oben. Dieses Vorgehen ermöglicht es ihr, den Autor schwarz und den Titel weiß aus der Palatino zu setzten.
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Jana Hansmann

[5] Besonders schlank wirkt der Entwurf von Jana Hansmann. Sie kommt mit einer zweiten Farbe für die komplette Reihe aus. Die Georgia, 1996 von Matthew Carter für Microsoft entwickelt, setzt sie rechtsbündig.
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Christoph Krüger

[6] Ein durchgezogener schmaler schwarzer Balken am Kopf und ein gleich starkes weißes »Etikett« für den Namen des Autors direkt darunter – mit einer kleinen Überlappung – kennzeichnen den Entwurf von Christoph Krüger. Die verschiedenen Hintergrundfarben wirken frisch … und mit der eingesetzten Minion kann man nichts falsch machen.
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Stephan Donner

[7] Den Autor in Versalien und den Titel in Gemischtschreibweise zentriert zu setzen, darf man klassisch nennen. Kräftige, aber gedeckte Farben kontrastieren mit dem Weiß des Umschlagpapiers. Auch Stephan Donner greift in seinen Layouts zur Minion.
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Daria Selenov

[8] Trotz des Einsatzes der freundlichen und warmen Minion wirkt der Entwurf von Daria Selenov insgesamt eher streng, kühl und konstruiert. Nicht ganz unschuldig daran dürfte die Wahl der Farbe sein. Mir gefallen aber das Linien-Invertierungs-Spiel und die intuitive Raumaufteilung.
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Johanna Pallmann

[9] Johanna Pallmann unterteilt die Flächen des Umschlags horizontal in zwei Streifen im Verhältnis 1:3, lediglich der Rücken wird ausgespart. Er bekommt eine eigene Farbe. Ganze Textpassagen mutieren zu einer kaum sichtbaren Hintergrund-Struktur am Kopf des Titels. Einzig das aseptisch wirkende Medizin-Blau beeinträchtigt den positiven Gesamteindruck. Aber Farben kann man ja ändern … Auch hier kommt die Minion zum Einsatz.
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Andreas Weigel

[10] Der plakative Entwurf von Andreas Weigel richtet sich »an eine junge Zielgruppe«. Die Farbgebung, die Wahl der Schrift Rockwell, der freie Zeilenfall und nicht zuletzt die starken abstrakten Illustrationen machen diese Reihengestaltung zum Hingucker in der Schaufensterauslage des Buchhändlers. — Ob Unseld so mutig gewesen wäre?

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