Archive for the ‘Know-how’ Category

Der Rebell

Oktober 17, 2015

Telefonnummer

Ein professioneller Typograf weiß, dass er mit einem Divis nur die Nebenstelle von der Rufnummer trennen darf. Zwischen der Ortsvorwahl und der Rufnummer hat ein Bindestrich nichts verloren. In manchen Fällen rebellieren Bindestriche dann. Sie stellen sich einfach auf den Kopf – siehe Abbildung. Bemerkenswert sind auch die vergrößerten Abstände vor und nach dem Divis, die Schriftmischung und die unterschiedlichen Farben des eingesetzten Papiers.

Aus dem typografischen Versuchslabor

Februar 1, 2014

Was passiert, wenn analoge Techniken auf digitale treffen, wenn traditionelles Handwerk und innovatives Denken Hochzeit feiern, das zeigen Stefanie Schwarz and Dirk Wachowiak auf ihrer Website open2type.org auf beeindruckende Weise.

open2type

Vielfältig, überraschend, inspirierend und manchmal auch komisch sind die Exponate aus dem typografischen Versuchslabor und Archiv der beiden Designer. — Liebe Studenten, bitte unbedingt ansehen!

open2type

Typecache

Oktober 28, 2012

Auf der Website Typecache werden über 400 Typefoundries bzw. Schriftgestalter vorgestellt. Neben Schriftbeispielen und Links zu den Anbietern gibt es auch Interviews und einige Videos. Eine Empfehlung auch für meine Studenten.

typecache

Ärztlicher Kunstfehler?

September 28, 2012

Nach langer Zeit gibt es mal wieder ein Typo-Such-Bild. Wo hat sich der Fehler diesmal eingeschlichen?

Medizinhistorisches Museum Hamburg — Michael Wassenberg — www.butschinsky.de

Für Laien — und Leser der Süddeutschen Zeitung — ist er wohl nur schwer zu entdecken. Dem geschulten Auge des Typografen hingegen bleibt er nicht verborgen.

Medizinhistorisches Museum Hamburg — Michael Wassenberg — www.butschinsky.de

Bei den meisten Groteskschriften ist der obere Querbalken des Z aus statischen Gründen schmaler als der untere. Dieses Z steht also offensichtlich auf dem Kopf.

Der Besuch des Medizinhistorischen Museums Hamburg (auf dem Gelände des UKE) lohnt sich übrigens. Besonders eindrucksvoll ist der Sektionssaal.

PS: Der Freundes- und Förderkreis des UKE reagierte auf meinen Hinweis prompt. Inzwischen steht das Z richtig herum.

Schriften identifizieren

Dezember 29, 2011

Sowohl der Kommunikationsdesign-Student im 2. Semester als auch der berufserfahrene Typograf stehen oftmals vor der Aufgabe, eine Schrift identifizieren zu müssen. Man mag nun 50, 100, 300 oder noch mehr Schriften mühelos identifizieren können und ihre Namen kennen – die jeweils aktuell gesuchte Schrift ist häufig nicht dabei.

Was tun? Nun könnte man einen klügeren Kommilitonen oder Kollegen fragen, wenn diese nicht gerade beim Kunden, in der Mittagspause oder im Urlaub wären. Hm, man kann aber auch einige der segensreichen Errungenschaften unserer Zeit für sich nutzbar machen. Hier sind drei Schrifterkennungsmaschinen, die hilfreiche Dienste leisten.

MyFonts

WhatTheFont scheint mir der bekannteste Vertreter zu sein. Man lädt ein Beispielbild – eine Textzeile aus der gesuchten Schrift – in einer möglichst guten Qualität von der eigenen Festplatte oder auch direkt aus dem World Wide Web hoch, und die Maschine spuckt einige Vorschläge aus. Das klappt schon mal ganz gut. Aber leider eben auch nicht immer.

WhatFontis arbeitet augenscheinlich sehr ähnlich. In einem Vergleichstest mit WhatTheFont vermag dieses Tool den Suchenden zu überzeugen. Es präsentiert nicht nur die richtige Lösung, sondern offeriert zugleich eine große Anzahl möglicher Alternativen. Unter ihnen befinden sich auch etliche Freefonts.

Identifont

Identifont funktioniert anders. Hier ist mehr Mitarbeit seitens des Suchenden gefordert. So kann man sich über die Beschreibung einzelner anatomischer Eigenschaften ausgewählter Zeichen an die zu findende Schrift herantasten. Oder man versucht über die Ähnlichkeit mit einigen Schriftklassikern das Rätsel zu lösen.

Alle Webseiten sind natürlich noch viel komplexer und bieten zahlreiche Features, die der geneigte User hiermit selbst zu erforschen eingeladen ist.

Die Textausrichtung

Dezember 17, 2011

Satzarten

Mit Freude präsentiere ich Ihnen heute drei der beliebtesten Satzarten. Der äußerst anspruchsvolle freie Zeilenfall (Abb. oben) ist nur etwas für Experten, der rechtsbündige Flattersatz (Abb. links unten) braucht noch einen optischen Randausgleich … und der linksbündige Flattersatz (Abb. rechts unten) ist ein allseits bewährter Klassiker. Jetzt gilt es nur noch die Laufweite zu erhöhen und den Zeilenabstand zu harmonisieren …

Spitze Finger? Ironie? Dialog?

September 14, 2011

Feuerwehr-Durchgang

… oder einfach nur Dummheit? Womöglich soll es durch die falschen Gänsefüßchen persönlicher und energischer wirken. Es wird ein Rätsel bleiben …

Der Apostroph

September 10, 2011

Der Apostroph

Für die Fehler, lieber Auto-Beschrifter, sorgst Du schon selbst. Im Deutschen dient der Apostroph unter anderem als Auslassungszeichen für einen oder mehrere Buchstaben. Das kommaförmige Zeichen steht auf der Höhe der Oberlänge und unterscheidet sich vom Akzentzeichen ebenso wie vom Minuten– oder Fußzeichen. Auch das ASCII-Strichlein ist kein echter Apostroph. Seit der Rechtschreibreform darf man aber statt geht’s auch gehts schreiben. Die Abbildung zeigt den französischen accent grave.

Der Genitiv von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden, wird ebenfalls mit einem Apostroph gekennzeichnet: Klaus’ Fahrrad. (Es bleibt aber natürlich das Fahrrad von Klaus.)

Gänsefüßchen

September 7, 2011

CDU

Jessas Marant Josef! Wann lernt Ihr, Christdemokraten, endlich, wie man richtige »Tüddelchen« und wann man ein Komma setzt? So schwer ist das doch gar nicht.

Falsche Kursive – unter anderem

September 4, 2011

Winterhuder Fährhaus

So wirbt die Komödie Winterhuder Fährhaus für ein Stück aus dem aktuellen Programm. Genauer: die PR-Verantwortlichen lassen die Bild-Zeitung für sich sprechen. Manche Menschen behaupten ja, dass das Volk genau die Zeitung liest, die es auch verdient hat. Warum sollte es mit dem Theater anders sein? Doch darum geht es mir jetzt nicht.

Mich ärgert wieder einmal der schlampige Umgang mit der Schrift. Die fehlende Unterschneidung (zwischen dem Anführungszeichen und dem V in der ersten Zeile, aber auch zwischen der Ellipse und dem Ausführungszeichen in der letzten Zeile), der unterschlagene Wortzwischenraum (vor der Ellipse in der letzen Zeile), der schlechte Zeilenfall (die dritte und vierte Zeile hätte man zu einer zusammenfassen können) und – vor allem – die falsche Kursive machen diese Zeilen zu einem Beispiel schlechter typografischer Gestaltung.

Also, liebe Studenten, schaut her! Hier seht ihr, wie man es nicht machen sollte!

Laufweite

Juli 23, 2011

Mit dem Begriff Laufweite benennt der Typograf den Abstand der Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen zueinander. Je nach Schrift und Schriftsatz muss der mikrotypografisch gewissenhaft arbeitende Gestalter die Laufweite einer Schrift zwecks besserer Lesbarkeit erhöhen oder verringern. Im ersten Fall spationiert er die Schrift, im zweiten Fall unterschneidet er die Schrift. Die Studenten des Kommunikationsdesigns lernen bei mir in einer der ersten Unterrichtseinheiten im Fach Typografie, dass man Kapitälchen- und Versalzeilen spationieren muss. Hingegen gehören kritische Buchstabenkombinationen (AV, To, Va, LT und viele andere) unterschnitten. Letzteres nennt man auch Ausgleichen oder Ausmitteln oder Kerning. Ist eine Schrift gut zugerichtet, so hat der Schriftgestalter eine Vielzahl von Kerning-Paaren definiert.

Laufweite

So wird das nichts mit dem Himmelreich

Juni 29, 2010

Sie ist nicht leicht, die Sache mit dem Lang-ſ und dem Rund-s … Im typografischen Alltag bewahrheitet sich wieder einmal, dass gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht ist.

Selig sind die ...

In diesem Fall aber gibt es kein Pardon und keine Absolution, denn das »Original« zu dieser Türbeschriftung befindet sich nicht einmal einen Meter davon entfernt – in Stein gemeißelt. Was sagen die Experten für gebrochene Schriften? Im Regelfall bevorzugt der Laie doch das Rund-s, auch dort, wo ein Lang-ſ korrekt sein würde. Er tut dies, um Verwechslungen des ſ mit dem f zu vermeiden. Hier nun verhält es sich genau andersrum – kein einziges Rund-s. Hm? Zudem ist der Zeilenfall missglückt. Und das erste Komma wurde auch unterschlagen. Auf die Quellenangabe hat man gleich ganz verzichtet. — Ich fordere fünf Einheiten Fegefeuer – ohne Bewährung, mindestens!

Selig sind die ...