Posts Tagged ‘Buch’

Einbandgestaltung

Juni 27, 2014

Nach den doch eher experimentellen Arbeiten forderte ich die Studenten meines Typografieseminars an der Kunstschule Wandsbek mit dem vierten Projekt in diesem Sommersemester nunmehr zur typografischen Bescheidenheit auf. Die Studenten sollten beispielhaft drei Bucheinbände für eine wissenschaftliche Reihe gestalten. Die Paperbacks hatten alle die gleiche Größe, lediglich die Rückenstärke variierte.

Einbandgestaltung — Aufmacher

Es stellten sich sogleich folgende Fragen: Welche Schriften kommen in Frage? Wie gewichtet und platziert man Autor, Titel, gegebenfalls einen Untertitel und das Verlagslogo auf der ersten Umschlagseite? Wie und in welcher Reihenfolge kann man diese Informationen auch auf dem Rücken optimal zur Geltung bringen? Welche Rolle spielen Farben und Elemente wie Linien und Flächen? Sind grafische oder gar illustrative Elemente in einer Reihengestaltung noch angemessen? Wie modern, wie plakativ, wie laut darf ein solcher Entwurf sein?

Nachdem die Studenten einen Blick auf die Arbeiten von Fleckhaus, Willberg, Forssman und anderer Buchgestalter geworfen hatten, ging es ans Werk. Veranschlagt wurden zwei bis drei Unterrichtseinheiten (à 4,5 Stunden). — Hier präsentiere ich eine Auswahl der gelungensten Arbeiten aus dem 3. Semester. (more…)

BAM ’10 — Das etwas andere Buch-Projekt

Februar 13, 2010

Im Wintersemester 2009/2010 konnte ich erstmalig die Buchgestaltung in meinen Lehrplan aufnehmen. Ich berichtete hier. Drei Studierende aus meinem Typografie-Seminar im 3. Semester mochten sich jedoch nicht für Johanna Spyri, Alexandre Dumas, Friedrich Nietzsche, Mao Tsetung, Adolf Loos, Paul Watzlawick, Ernst Jandl, Thomas Bernhard oder Max Goldt entscheiden und gestalteten und produzierten statt dessen ihr eigenes Buch. Ein Portfolio sollte es werden. »Warum nicht?«, dachte sich der Typografie-Dozent.

Und so erstellten Sebastian Boltz, Matthias Borchardt und Alexander Makarov ein Artbook, das sie in einer Kleinstauflage drucken ließen. Das Buch zeigt auf knapp über 100 Seiten hauptsächlich – analoge und digitale – Illustrationen, Zeichnungen und Malereien der drei Studierenden. Komplettiert wird es duch Fotografien von Alexanders Bruder Evgeny. Obwohl das Werk typografisch eher zurückhaltend daherkommt, will ich hier einige Seiten aus dem 20,5 × 20,5 cm großen Buch zeigen.

[1] Der Umschlag

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Ein Buch, ein Buch

Januar 24, 2010

»Lesen heißt mit einem fremden Kopfe, statt des eigenen, denken.«
(Arthur Schopenhauer)

Erstmalig konnte ich ein Buchprojekt in meinem Typografie-Seminar unterbringen. Zu konzipieren und zu gestalten galt es den Einband, die Titelei und zwei typische Doppelseiten aus dem Inhalt. Außerdem sollte ein Schutzumschlag entworfen werden. Die Erwartungen waren hoch.

Bei dieser Aufgabe für das 3. Semester der Kunstschule Wandsbek waren weniger kreative Höhenflüge, sondern vielmehr typografisches Handwerk gefragt. So mussten zunächst die Papierqualität, das -format und der Satzspiegel festgelegt werden. Dann musste man sich für eine Schrift – oder eine Schriftfamilie, -sippe, -mischung – entscheiden. Laufweite und Zeilenabstand wollten unter dem Gesichtspunkt der optimalen Lesbarkeit ermittelt werden. Kurz: Für diese Aufgabe brauchte es den Blick fürs Detail und einen langen Atem.

Zur Auswahl stellte ich folgende Titel:

Johanna Spyri: Heidis Lehr- und Wanderjahre
Alexandre Dumas: Der Graf von Monte Christo
Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra
Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung
Adolf Loos: Ornament und Verbrechen
Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein
Ernst Jandl: lechts und rinks. gedichte, statements, peppermints
Thomas Bernhard: Auslöschung. Ein Zerfall
Max Goldt: Ungeduscht, geduzt und ausgebuht

Den meisten Zuspruch fanden Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein« und Dumas’ »Graf von Monte Christo«.

Einige Studierende kümmerten sich so sehr um die Gestaltung des Schutzumschlages, dass sie darüber leider die lesetypografischen Anforderungen des Inhalts vernachlässigten. Aber wir wollen mit dem 3. Semester nicht allzu streng ins Gericht gehen. Es gab durchaus Arbeiten, die insgesamt zu überzeugen vermochten. Eine davon will ich hier exemplarisch zeigen. Ffion Evans hat sich die berühmte »Mao-Bibel« vorgenommen.

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