Posts Tagged ‘Jazz’

Tisch 5: Bildwechsel

Juli 21, 2011

Mal wieder etwas aus der eigenen Produktion – für TISCH 5, Hamburgs legendäres Freejazz-Ensemble,  habe ich im Mai 2011 die Gestaltung ihrer neuesten Doppel-CD »BILDWECHSEL« übernehmen dürfen. Die Fotos dazu habe ich auch gemacht und können in meinem Fotoblog besichtigt werden.

Tisch 5: Bildwechsel

Tisch 5: Bildwechsel

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»Wie du mir, so ich dir noch lange nicht«

Januar 23, 2010

Unter Designern – zumal unter jungen – galt früher die Gestaltung von LP-Covern häufig als besonders reizvoll, vor allem dann, wenn man sich selbst sehr für Musik interessierte. Ob das heute auch noch so ist? Zumindest wollte ich daran glauben, als ich für die Studierenden meines Typografie-Seminars im 3. Semester ein neues Projekt ausbrütete.

Ich wollte es den Studierenden der Kunstschule Wandsbek aber nicht so leicht machen, dass sie »nur« ein Cover für ihre jeweilige Lieblingsband entwerfen sollten. Vielmehr spielte ich ihnen einen Titel von einer CD vor, mit der Bitte, sich nur auf die Musik zu konzentrieren. Dass es sich dabei um das Stück »Wie du mir, so ich dir noch lange nicht« von Peter Brötzmann, Albert Mangelsdorff und Günter »Baby« Sommer (Pica-Pica, 1982) handelte, habe ich ihnen nicht gesagt.

Natürlich war ich mir bewußt, dass diese Art Musik – im Plattenladen findet man sie unter der Rubrik Improvisierte Musik, Avantgarde oder Free Jazz – heute vermutlich für die meisten 20-Jährigen nur schwer zugänglich ist. Aber macht nicht gerade das die Aufgabe zu einer wirklichen Herausforderung?

Aufgabe war es also, nicht nur eine angemessene typografische Gestaltung für diese Musik zu finden, die Studierenden sollten auch der Band und dem Album einen Namen geben. Ebenso durften Musiktitel frei erfunden werden.

Ich setzte bei diesem – im Ergebnis absolut offenen – Experiment auf die Phantasie und den spielerischen Umgang mit der Sprache. Gespannt war ich also darauf, wie die Studierenden etwas bloß – und zuvor noch nicht – Gehörtes visualisieren würden.

Die Reaktionen während des Hörens waren vielseitig: Irritation, Amüsement, offene Ablehnung. Eine Studierende litt nach eigenen Aussagen an »Schnappatmung«. Sie hat es aber überlebt.

Zeigen möchte ich hier zwei Arbeiten, die sich aus der Menge positiv hervorheben.

Michaela Neumann (linkes Cover) und Kaja Diandra Oblonczek (rechtes Cover) entscheiden sich für eine Mischtechnik und pinselten, klecksten, tupften, stempelten, schablonierten und klebten, was das Zeug hielt.

Diese beiden Entwürfe stellen für mich eine formal stimmige Lösung dar. Sie sind auch atmosphärisch nah an der Musik, haben Witz und (Selbst-)Ironie. Und Titel wie »Locker um die Ecke löffeln« (Michaela), »Fracksausen« oder »Futterneid« (Kaja) würden womöglich auch einem Peter Brötzmann, der ja selbst Malerei und Grafik studiert hat, gefallen.

Wie Michaela allerdings auf den Namen »Morbidio« gekommen ist, muss ich sie noch einmal fragen. Ob sie womöglich früher doch schon mal »Die like a dog« gehört hat?

Nachtrag: »Pica pica« ist übrigens der lateinische Name für die Elster. Dank an Amber für diesen nützlichen Hinweis. Auf der Rückseite des Original-Albums befindet sich auch die Zeichnung einer Elster. Die Vogelart gehört zur Familie der Rabenvögel. »In der germanischen Mythologie war die Elster sowohl Götterbote als auch der Vogel der Todesgöttin Hel, so dass sie in Europa den Ruf des Unheilsboten bekam. Als ›diebische‹ Elster war sie auch im Mittelalter als Hexentier und Galgenvogel unbeliebt. Im Gegensatz dazu gilt sie in Asien traditionell als Glücksbringer und bei den nordamerikanischen Indianern als Geistwesen, das mit den Menschen befreundet ist.« (aus: wikipedia)

Die Frage allerdings, ob der Gesang oder das Sozialverhalten der Elster die Musiker zu den Stücken auf »Pica pica« inspiriert hat, muss hier zunächst unbeantwortet bleiben.

Da ist Musik drin

November 14, 2009

Das Atelier Martino & Jaña in Portugal gestaltete diese wunderschönen Jazzplakate. Perfekt verschmilzt die steile Gradation der Fotos kontrastreiche Strichzeichnung mit der organischen Schriftgestaltung. Die abgebildeten Künstler wirken aufgrund des raffinierten Anschnitts der Motive sehr präsent. Man beachte den (aquarellierten?) Hintergrund. Klasse!

jazzplakate_portugal

Kennen Sie Günther Kieser?

Oktober 11, 2009

Seine Arbeiten hängen heute im Museum of Modern Art in New York. 40 Jahre lang gestaltete Günther Kieser, Jahrgang 1930,  Plakate, hauptsächlich für Jazz- und Rockkonzerte. Eines der schönsten ist für mich das Veranstaltungsposter für ein John-Coltrane-Konzert im November 1962 in Düsseldorf. (Bildquelle) Die entsprechende Musik und die bewegten Bilder – in Schwarzweiß – dazu gibt es hier.

Back to the Roots

Februar 1, 2009

In letzter Zeit ertappe ich mich immer öfter bei dem Versuch, meine musikalische und meine typografische Sozialisation zu rekonstruieren. Interessant erscheint mir das wechselseitige Verhältnis der beiden Genres. Das eine ist ohne das andere kaum zu denken. Die Musik von Ornette Coleman, John Coltrane, Joe Henderson, Miles Davis und vielen anderen ist für mich untrennbar mit den jeweiligen LP-Cover-Gestaltungen verbunden.

lp_01

Anfang der 1980er Jahre lieh mir ein Lehrer unseres Gymnasiums viele Jazz-LPs, die ich natürlich auf Band überspielte. Diese freundliche Geste war – in der Retrospektive – aber weit mehr als das. Es bedeutete auch eine Art Typografie-Propädeutikum. Danke, Klaus Thiele!

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