Posts Tagged ‘Lesung’

Plakate für Max Goldt

November 25, 2012

Neben dem Editorial-Langzeitprojekt über die Dauer eines Semesters plante ich für das Typografie-Seminar im dritten Semester vier »Typo-Quickies«. Innerhalb von ein bis zwei Unterrichtseinheiten sollten Plakate angefertigt werden.

An »Typo-Quickie Nr. 1«, einem Plakat für eine Landwirtschaftsmesse, bissen sich die Studierenden die Zähne aus.

»Typo-Quickie Nr. 2« war ein Plakat für fiktive Veranstaltung mit Max Goldt. Der Schriftsteller war den Studierenden bis dahin ein Unbekannter. Ich kenne Goldt seit »[Aus] Onkel Max’ Kulturtagebuch« (Titanic) und lese ihn auch heute noch gelegentlich ganz gern. Um so mehr war ich gespannt, welchen Zugang meine Studenten zu diesem Thema finden würden.

Die Studierenden der Kunstschule Wandsbek hatten sich bei diesem Schnellschuss mit Fragen der Schriftwahl und Schriftmischung ebenso auseinanderzusetzen wie mit den Fragen der Gewichtung und Proportionierung der einzelnen Elemente. Einzige Vorgabe war es, kein Portrait des Schriftstellers zu bringen. Von den etwa 80 Arbeiten will ich hier die gelungensten zeigen.

Max-Goldt-Plakate

Layouts: Seyma Tasci und Cagdas Yasar

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Veranstaltungsplakate

Februar 12, 2012

Von jedem Studenten sollten zwei Plakate gestaltet werden. Vier Themen standen zur Auswahl. Allerdings konnte man sich auch selbst ein Thema suchen. Im Angebot waren eine Ausstellung »Zur Aktualität von Kasimir Malewitsch«, eine Lesung des »Briefwechsels zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld«, ein Konzert der Musikerin Erika Stucky und eine Dackel-Messe. In einem Fall galt die Restriktion, nur mit zwei Farben und ohne Bilder oder Illustrationen arbeiten zu dürfen. Im zweiten Fall gab es keinerlei Einschränkungen.

Aus insgesamt etwa 160 Plakaten habe ich die – nach meiner Einschätzung – besten Plakate hier einmal zusammengestellt. Die Studenten freuen sich über Feedback.

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Das Schwarze Quadrat · Zur Aktualität von Kasimir Malewitsch

Mats Thomsen und Franziska Boelke

Layouts: Mats Thomsen und Franziska Boelke

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Jenseits von Farmville

Juni 20, 2010

Was würden Zwanzigjährige, die sich heute – nach meiner Beobachtung – freiwillig häufiger und intensiver mit StudiVZ und Facebook beschäftigen als mit Fragen der Gegenwartsliteratur oder mit Problemen der Mikrotypografie, anstellen, wenn ich sie mit der Aufgabe konfrontiere, ein Plakat für einen zwar schon für tot erklärten, aber trotzdem noch lebenden deutschsprachigen Schriftsteller zu konzipieren und zu gestalten?

Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, haben wir uns – zur Einstimmung – erst einmal zwei Filme auf Youtube angeschaut, die den Autor und Künstler – den »armen Mann von Charlottenburg« (T. K.) und bekennenden Biertrinker –  Thomas Kapielski in Aktion zeigen (Film 1, Film 2). – Schweigen, vereinzeltes Lachen, wieder Schweigen. Anschließend wurde recherchiert: Webseite des Autors, Webseiten von Verlagen, Wikipedia usw.

Die Seitenscheibenplakate für die Hamburger U-Bahn sollten eine Lesung im Literaturhaus Hamburg ankündigen und mit ausschließlich typografischen Mitteln gestaltet werden. Corporate-Design-Vorgaben des Literaturhauses brauchten – es handelte sich um ein fiktives Projekt – nicht berücksichtigt zu werden. Ein Titel für die Veranstaltung konnte frei erfunden werden.

Bei dieser Übung für die Studierenden des 2. Semesters ging es vor allem darum, eine überschaubare Menge an Textinformationen ansprechend auf einer Fläche von 500 × 150 mm zu gliedern und zu gewichten. Welche Schriften kann man mischen? Gibt es eine Schrift, die besonders gut zu diesem Autor, seinem Werk oder zu der Veranstaltung passt? Wie sieht eine »literarische Schrift« aus? Gibt es sie überhaupt? Wie setzt man einen Größen- oder Formkontrast effektiv ein? Welche Rolle spielen die Farben? Darf man Text stürzen? Kann man sinnvoll mit Ebenen, Transparenzen und Invertierungen arbeiten, ohne auf billige Effekte zu schielen? Wie erschließt man die Fläche und wie erreicht man eine gute Lesbarkeit? Dieses sind gewiss einige Fragen, mit denen sich die Studierenden auseinanderzusetzten hatten.

Immer wieder ermunterte ich sie, auf bloß dekorative Elemente in ihren Layouts zu verzichten. Hartnäckig hält sich nämlich das Vorurteil unter Typo-Anfängern, dass eine Gestaltung ganz ohne Illustration oder Fotografie langweilig sein müsse.

Wir haben uns für diese kleine Aufgabe viel Zeit genommen. In den Korrekturgesprächen warb ich für die »Kunst des Weglassens« und postulierte – Kurt Weidemann paraphrasierend, wenn ich mich recht erinnere –, dass man in der typografischen Gestaltung nichts dem Zufall überlassen dürfe. So wurden denn Schriften neu gemischt, Auszeichnungen überprüft, Zeilenabstände korrigiert, manuelle Unterschneidungen vorgenommen etc. – alles, was in einer »Schule des Sehens« eben wichtig ist.

Ich kann und will hier nicht den gesamten Entwicklungsprozess dokumentieren, aber einige der gelungensten Arbeiten möchte ich hier schon zeigen. Weitere Arbeitsproben aus meinem Typografie-Seminar finden Sie übrigens auch auf der flickr-Website der Kunstschule Wandsbek.

Kristin Nicolaisen

Design: Kristin Nicolaisen

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500 × 150 mm

Dezember 6, 2009

»Die Kunst des Weglassens« ist nur schwer und mühsam zu erlernen. Typografie-Anfänger – so meine Erfahrung – neigen dazu, ihre Layouts zunächst aufzuhübschen, zu verzieren, mit Ornamenten und grafischem Schnickschnack zu dekorieren, kurz: zu überladen. Allein auf die »Kraft der Typografie« zu setzen, traut man sich noch nicht so recht, weil der Betrachter die Gestaltung dann ja womöglich als »zu langweilig« empfinden könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass man gerade eben erst das Programm Illustrator kennengelernt hat – der Typo-Dozent aber nun prompt den Einsatz von InDesign präferiert. (*grmpf!*) Und einen Überblick über die riesige Schriften-Auswahl zu bekommen, ist auch nicht leicht.

Als zweites Projekt im Typografie-Seminar des 2. Semesters stand die Gestaltung eines Seitenscheibenplakats auf dem Lehrplan. Die (fiktive) Lesung des Lieblings-Schriftstellers der Studierenden sollte auf einer Fläche von 500 × 150 mm beworben werden. Solche Plakate finden wir auf den schmalen Fensterscheiben der U-Bahn. Es handelt sich also um ein Projekt mit hohem Realitätsbezug. Wie die Studierenden der Kunstschule Wandsbek diese Aufgabe gelöst haben, soll hier gezeigt werden.

Deima Ruschkies

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