Dezember 29, 2011
Sowohl der Kommunikationsdesign-Student im 2. Semester als auch der berufserfahrene Typograf stehen oftmals vor der Aufgabe, eine Schrift identifizieren zu müssen. Man mag nun 50, 100, 300 oder noch mehr Schriften mühelos identifizieren können und ihre Namen kennen – die jeweils aktuell gesuchte Schrift ist häufig nicht dabei.
Was tun? Nun könnte man einen klügeren Kommilitonen oder Kollegen fragen, wenn diese nicht gerade beim Kunden, in der Mittagspause oder im Urlaub wären. Hm, man kann aber auch einige der segensreichen Errungenschaften unserer Zeit für sich nutzbar machen. Hier sind drei Schrifterkennungsmaschinen, die hilfreiche Dienste leisten.

WhatTheFont scheint mir der bekannteste Vertreter zu sein. Man lädt ein Beispielbild – eine Textzeile aus der gesuchten Schrift – in einer möglichst guten Qualität von der eigenen Festplatte oder auch direkt aus dem World Wide Web hoch, und die Maschine spuckt einige Vorschläge aus. Das klappt schon mal ganz gut. Aber leider eben auch nicht immer.

WhatFontis arbeitet augenscheinlich sehr ähnlich. In einem Vergleichstest mit WhatTheFont vermag dieses Tool den Suchenden zu überzeugen. Es präsentiert nicht nur die richtige Lösung, sondern offeriert zugleich eine große Anzahl möglicher Alternativen. Unter ihnen befinden sich auch etliche Freefonts.

Identifont funktioniert anders. Hier ist mehr Mitarbeit seitens des Suchenden gefordert. So kann man sich über die Beschreibung einzelner anatomischer Eigenschaften ausgewählter Zeichen an die zu findende Schrift herantasten. Oder man versucht über die Ähnlichkeit mit einigen Schriftklassikern das Rätsel zu lösen.
Alle Webseiten sind natürlich noch viel komplexer und bieten zahlreiche Features, die der geneigte User hiermit selbst zu erforschen eingeladen ist.
Tags: Buchstaben, Fonts, Glyphen, identifizieren, Identifont, Schriften, WhatFontis, WhatTheFont, Zeichen
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Dezember 17, 2011

Mit Freude präsentiere ich Ihnen heute drei der beliebtesten Satzarten. Der äußerst anspruchsvolle freie Zeilenfall (Abb. oben) ist nur etwas für Experten, der rechtsbündige Flattersatz (Abb. links unten) braucht noch einen optischen Randausgleich … und der linksbündige Flattersatz (Abb. rechts unten) ist ein allseits bewährter Klassiker. Jetzt gilt es nur noch die Laufweite zu erhöhen und den Zeilenabstand zu harmonisieren …
Tags: Ausrichtung, Laufweite, Satzanordnung, Satzart, Schriftsatzart, Textausrichtung, Versalien, ZAB, Zeilenabstand
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November 26, 2011
Das erste Projekt im Typografie-Seminar des 3. Semesters im WS 2011/2012 war ein Kalenderblatt. Optional konnte diesmal auch eine eigene Schrift für den Monatsnamen entwickelt werden. Auf Illustrationen und Fotografien sollte verzichtet werden. Aus den Arbeiten von über 80 Studenten habe ich einige der besten ausgesucht, um sie hier zu präsentieren.

Layouts: Laura Nemsow und Shanna Soltau

Layouts: Lena Klimek und Carina Farina-Marschner

Layouts: Nathalie Löw und Christina Miller

Layouts: Julia Machtans und Lucia Küch

Layouts: Salome Ballentin und Laura Nemsow

Layouts: Daniel Hwalisz und Anja Bühler

Layouts: Charlin Kübler und Shanna Soltau

Layouts: Isabel Guckes und Michael Chruscinski

Layouts: Nathalie Löw und Caroline Kraemer

Layouts: Anna Preul und Carina Dalock

Layouts: Kathrin Brockmann und Charlotte Ulrich

Layouts: Karola Warnick und Justin Luttermann

Layouts: Katharina Mohr und Dennis Fetzer

Layouts: Lucien Sperl und Karola Warnick
Tags: Anfänger, Anja Bühler, Anna Preul, Carina Dalock, Carina Farina-Marschner, Caroline Kraemer, Charlin Kübler, Charlotte Ulrich, Christina Miller, Daniel Hwalisz, Dennis Fetzer, Isabel Guckes, Julia Machtans, Justin Luttermann, Kalender, Karola Warnick, Katharina Mohr, Kathrin Brockmann, Kunstschule Wandsbek, Laura Nemsow, Layout, Lena Klimek, Lucia Küch, Lucien Sperl, Michael Chruscinski, Nathalie Löw, Salome Ballentin, Shanna Soltau, Studium, Typografie-Seminar, Typografie-Unterricht, Wintersemester 2011/2012
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September 24, 2011
Editorialdesign steht für die Studierenden der Kunstschule Wandsbek im sechsten Semester auf dem Lehrplan. Ich wollte von meinen Typografie-Studenten wissen, wie sie bereits im dritten Semester mit einer derart komplexen Layoutaufgabe fertig werden.
Zwei oder mehr Doppelseiten für das fiktive Kunst-Magazin »Wandse« sollten konzipiert und gestaltet werden. Bildmaterial wurde gestellt bzw. konnte frei gewählt werden. Es durfte mit Blindtext gearbeitet werden. Lediglich die Headline sollte selbst formuliert werden. (Das komplette Briefing umfasste zwei DIN-A-4-Seiten.)
Die Studierenden hatten sich mit einer Vielzahl von – gestalterisch-konzeptionellen und vor allem auch satztechnischen – Fragen auseinanderzusetzen. Es seien hier nur einige Stichworte genannt: Heftformat, Satzspiegel und Gestaltungsraster, Seitenfolge (Dramaturgie), Verhältnis von Text zu Bild, Schriftwahl, -größen und -mischungen, Auszeichnungen, Laufweiten, Zeilen- und Spaltenabstände, Farbigkeit …
Untergebracht werden sollten neben einer Anzahl frei zu bestimmender Bilder und dem Fließtext folgende Elemente: ein Rubrikentitel, eine Headline, ein Einlauftext, einige Zitate, Bildunterschriften und die Pagina.
Drei nach meiner Meinung gelungene und zudem sehr unterschiedliche Arbeiten möchte ich hier präsentieren.
Timo Durst zeigt großformatige Schwarzweiß-Fotografien von Philipp Noel-Richter, bietet ein Heft im Heft und arbeitet mit verschiedenen Papiersorten und -größen.

Timo Durst: U4 und U1

Timo Durst: Erste Doppelseite

Timo Durst: Zweite Doppelseite mit eingeheftetem Text-Teil

Timo Durst: Dritte Doppelseite
Davina von Sobbe-Grimberg benutzt für ihr eher klassisches Layout eigene Farbfotografien und wählt dazu ein schlankes Hochformat mit großzügig proportionierten Kopf- und Außenstegen.

Davina von Sobbe-Grimberg: Erste Doppelseite

Davina von Sobbe-Grimberg: Zweite Doppelseite

Davina von Sobbe-Grimberg: Dritte Doppelseite

Davina von Sobbe-Grimberg: Vierte Doppelseite
Lisa Köster überrascht mit einer sehr kurzen Headline, die sie auch noch frech aufs Bild setzt. Der Zweispalter kommt mit einer sehr niedrigen Schulterhöhe daher, die Abbildungen sind quadratisch, variieren aber in der Größe.

Lisa Köster: Erste Doppelseite

Lisa Köster: Zweite Doppelseite
Tags: 3. Semester, Davina von Sobbe-Grimberg, Doppelseite, Editorial, Editorialdesign, Kunst-Magazin, Kunstschule Wandsbek, Layout, Lisa Köster, Magazin, Magazingestaltung, Studium, Timo Durst, Typografie-Unterricht, Wandse
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September 14, 2011

… oder einfach nur Dummheit? Womöglich soll es durch die falschen Gänsefüßchen persönlicher und energischer wirken. Es wird ein Rätsel bleiben …
Tags: Beschriftung, Durchgang, falsche Gänsefüßchen, Feuerwehr, Feuerwehr-Durchgang, Folienschrift, Gänsefüßchen, Tür ständig frei halten
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September 10, 2011

Wie soll man dieses Werk noch kommentieren?
Tags: Auto, Parken verboten, Parkplatz, Schild
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September 10, 2011

Für die Fehler, lieber Auto-Beschrifter, sorgst Du schon selbst. Im Deutschen dient der Apostroph unter anderem als Auslassungszeichen für einen oder mehrere Buchstaben. Das kommaförmige Zeichen steht auf der Höhe der Oberlänge und unterscheidet sich vom Akzentzeichen ebenso wie vom Minuten- oder Fußzeichen. Auch das ASCII-Strichlein ist kein echter Apostroph. Seit der Rechtschreibreform darf man aber statt geht’s auch gehts schreiben. Die Abbildung zeigt den französischen accent grave.
Der Genitiv von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden, wird ebenfalls mit einem Apostroph gekennzeichnet: Klaus’ Fahrrad. (Es bleibt aber natürlich das Fahrrad von Klaus.)
Tags: Apostroph, Automobil, Beschriftung, BMW Group, Folienschrift, Mini, Nedderfeld, PKW
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September 7, 2011

Jessas Marant Josef! Wann lernt Ihr, Christdemokraten, endlich, wie man richtige »Tüddelchen« und wann man ein Komma setzt? So schwer ist das doch gar nicht.
Tags: Anführung, Anführungszeichen, Ausführungszeichen, Behörde für Soziales Familie Gesundheit und Verbraucherschutz, CDU, Christdemokraten, Christlich Demokratischen Union, Dietrich Wersich, Gänsefüßchen, Hamburg, quo vadis?, Senator, Tüddelchen
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September 4, 2011

So wirbt die Komödie Winterhuder Fährhaus für ein Stück aus dem aktuellen Programm. Genauer: die PR-Verantwortlichen lassen die Bild-Zeitung für sich sprechen. Manche Menschen behaupten ja, dass das Volk genau die Zeitung liest, die es auch verdient hat. Warum sollte es mit dem Theater anders sein? Doch darum geht es mir jetzt nicht.
Mich ärgert wieder einmal der schlampige Umgang mit der Schrift. Die fehlende Unterschneidung (zwischen dem Anführungszeichen und dem V in der ersten Zeile, aber auch zwischen der Ellipse und dem Ausführungszeichen in der letzten Zeile), der unterschlagene Wortzwischenraum (vor der Ellipse in der letzen Zeile), der schlechte Zeilenfall (die dritte und vierte Zeile hätte man zu einer zusammenfassen können) und – vor allem – die falsche Kursive machen diese Zeilen zu einem Beispiel schlechter typografischer Gestaltung.
Also, liebe Studenten, schaut her! Hier seht ihr, wie man es nicht machen sollte!
Tags: BILD, Ellipse, falsche Kursive, Komödie, Unterschneidung, Winterhuder Fährhaus
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Juli 23, 2011
Mit dem Begriff Laufweite benennt der Typograf den Abstand der Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen zueinander. Je nach Schrift und Schriftsatz muss der mikrotypografisch gewissenhaft arbeitende Gestalter die Laufweite einer Schrift zwecks besserer Lesbarkeit erhöhen oder verringern. Im ersten Fall spationiert er die Schrift, im zweiten Fall unterschneidet er die Schrift. Die Studenten des Kommunikationsdesigns lernen bei mir in einer der ersten Unterrichtseinheiten im Fach Typografie, dass man Kapitälchen- und Versalzeilen spationieren muss. Hingegen gehören kritische Buchstabenkombinationen (AV, To, Va, LT und viele andere) unterschnitten. Letzteres nennt man auch Ausgleichen oder Ausmitteln oder Kerning. Ist eine Schrift gut zugerichtet, so hat der Schriftgestalter eine Vielzahl von Kerning-Paaren definiert.

Tags: Ausgleichen, Ausmitteln, Kerning, Kerning-Paar, Laufweite, Spationieren, Spatium, Unterschneiden, Versalsatz
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Juli 21, 2011
Mal wieder etwas aus der eigenen Produktion – für TISCH 5, Hamburgs legendäres Freejazz-Ensemble, habe ich im Mai 2011 die Gestaltung ihrer neuesten Doppel-CD »BILDWECHSEL« übernehmen dürfen. Die Fotos dazu habe ich auch gemacht und können in meinem Fotoblog besichtigt werden.


Tags: Bildwechsel, CD-Cover, Compactdisc, Digipac, Doppel-CD, Free Jazz, Freejazz, Improvisierte Musik, Jazz, Musik, Tisch 5
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Juli 18, 2011

Dieses Foto habe ich heute im Hafen gemacht. Noch mehr Bilder aus dieser Serie – allerdings gänzlich frei von Typografie – zeige ich in meinem Fotoblog »Ist das Kunst oder kann das weg?«.
Tags: Hafen, Hamburg, Kran
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Juni 28, 2011
Als erste Aufgabe im Sommersemester 2011 sollten von den Studierenden des 3. Semesters der Kunstschule Wandsbek zwei Veranstaltungsplakate entworfen werden.
Im ersten Fall sollte bewusst auf den Einsatz von Fotos oder Illustrationen verzichtet werden, um sich ganz auf die Typografie konzentrieren zu können. Es standen drei Themen zur Auswahl, die alle etwas mit der Schweiz zu tun hatten.
Im zweiten Fall konnten sich die Studierenden das Thema selbst wählen und es gab keinerlei Restriktionen. Einige gelungene Arbeiten will ich hier wieder zeigen.

Layout: Lisa Landowski und Timo Durst

Layout: David Baudisch und Imke Cecilie Hahn

Layout: Malena Wenig und Davina von Sobbe-Grimberg

Layout: Michelle Dobbertin und Sina Thiessen

Layout: Davina von Sobbe-Grimberg und Stephanie Weiß

Layout: Anna-Lena Mewes und Jens Tierp

Layout: Lara Meyer und Lisa Köster

Layout: Verena Marquardt und Vincent Seeburg

Layout: Verena Laumer und David Royston Gibbs

Layout: Yannick Riemer und Davina von Sobbe-Grimberg

Layout: Imke Cecilie Hahn und Lara Meyer
Größere Abbildungen der Plakate gibt es auf der Flickr-Website der Kunstschule Wandsbek zu sehen.
Tags: Anfänger, Anna-Lena Mewes, David Baudisch, David Royston Gibbs, Davina von Sobbe-Grimberg, Imke Cecilie Hahn, Jens Tierp, Kunstschule Wandsbek, Lara Meyer, Layout, Lisa Köster, Lisa Landowski, Malena Wenig, Michelle Dobbertin, Plakat, Poster, Sina Thiessen, Stephanie Weiß, Timo Durst, Typografie-Unterricht, Verena Laumer, Verena Marquardt, Vincent Seeburg, Yannick Riemer
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Juni 19, 2011
Auf Facebook habe ich gelesen, dass einer meiner ehemaligen Arbeitgeber ein Zeichen für mehr »Bildung, Wissenschaft und Universität in Hamburg« gesetzt hat. Das Logo, das Peter Schmidt damals für die Uni Hamburg entworfen hatte, habe ich natürlich sofort erkannt. – Die Gestaltung der Plakate irritierte mich allerdings.

Nie und nimmer kommen diese vielen Plakate aus einem renommierten Designstudio, dachte ich. – Richtig, es steht ja auch direkt darüber: »Gestaltung des Plakates: Büro für ungewöhnliche Maßnahmen«. Hinter diesem Namen könnte man eine junge und freche Agentur vermuten. – Und war da nicht mal was in Berlin … Ende der 1980er Jahre – Stichwort Politkunst und Spaßguerilla?

Doch halt – diese Plakate wurden von der Universität Hamburg Marketing GmbH initiiert, wahrscheinlich auch konzipiert und produziert. Ob sich diese Gesellschaft als legitime Nachfolgerin der legendären Aktionskünstlergruppe sieht, ist mir nicht bekannt.

… und letztendlich finde ich es nur gerecht und plausibel, dass man die Statements von Jasmin Wagner, Wolf Biermann, Hannelore Hoger, Roger Willemsen, Ulrich Wickert, Hans-Olaf Henkel, Theo Sommer etc. in Arial, Cooper Black, Stencil, Hobo, der allseits beliebten Comic Sans usw. gesetzt hat.

Nur so wirkt es auch ganz, ganz, ganz wirklich authentisch. So layouten eben nur echte Laien. – Andererseits: ein wenig mehr typografische Professionalität hätte dem berechtigten Anliegen sicherlich nicht geschadet. Warum hat man nicht zum Beispiel die Studenten der HAW (Fakultät Design, Medien und Information) ins Boot geholt? Die haben in der Vergangenheit schon sehr gelungene und wirklich sehenswerte Plakate gestaltet.

Tags: Büro für ungewöhnliche Maßnahmen, Bildung, Comic Sans, Peter Schmidt, Plakate, Politkunst, Spaßguerilla, Uni, Universität Hamburg, Wissenschaft
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Juni 5, 2011

So, inzwischen ist das Buch eingetroffen und ich habe es am Wochenende lesen können. Layout, Papier und Verarbeitung sind ganz ordentlich. Warum man im Blocksatz allerdings unterschiedliche Buchstabenabstände erlaubt und den Personen-Index nach Vornamen ordnet, wird das Geheimnis der Herausgeber bleiben.
Auf den hinteren 40 der 240 großzügig gestalteten Seiten beantworten zehn Kollegen unter anderem Fragen zu ihrem Lehrkonzept. Diese Antworten haben mich am meisten interessiert. Trotz aller Unterschiede in den Lehrplänen scheint mir die Menge der Gemeinsamkeiten evident. Beruhigend ist es zu erfahren, dass auch Universitäts- und Fachhochschul-Professoren nur mit Wasser kochen. Erfreulich: die Typografie ist längst keine Domäne der Männer mehr – immer häufiger bilden Frauen den typografischen Nachwuchs aus. Man liest und empfiehlt die gleichen Bücher. Man engagiert sich für die gleichen Ziele, sieht sich vor ähnlichen Herausforderungen gestellt.
Im Zusammenhang mit der typografischen Lehre stößt man immer wieder auf die selben Formulierungen. Es geht um die Liebe zum Detail, um das genauen Hinsehen, um die Lust am Entdecken, … von Haltung ist oft die Rede. Der »richtige« Mix aus Theorie-Input, Ausprobieren und Feedback ist oftmals entscheidend. Mal wird der spielerisch-experimentelle Ansatz betont, mal die Ernsthaftigkeit des Handwerks. Die Entwicklung der Selbstlernkompetenzen scheint dabei gerade unter dem Aspekt der Regelstudienzeitverkürzung (Bachelor-Studiengang) an Bedeutung zu gewinnen. Irgendwo zwischen Kunst und angewandter Gestaltung, zwischen Tradition und innovativer Technik können Lehrende – und Lernende – eine schöne Erfahrung machen: die eigene Euphorie und Leidenschaft wirkt oftmals ansteckend.
Jürgen Huber, Professor für Kommunikationsdesign und Typografie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, wertet den Ausspruch einer Studentin als »großes Lob«. Sie sagte: »[...] ich habe Ihr Fach immer sehr gehasst, aber ich habe viel gelernt.« Ja, Ähnliches habe ich auch schon mal gehört.
Noch ein paar Zitate: Jay Rutherford, Professor für Typografie an der Bauhaus-Universität in Weimar: »Aber ich merke, dass es viele Leute gibt, die wenig Interesse haben. Das ist traurig, aber ich erreiche nicht alle unsere Studierenden.« Puh, ich dachte bisher immer, das sei ausschließlich ein Phänomen an meiner Schule …
»Es bleibt eine Herausforderung, Studierende zu motivieren, die Mühsal der kleinen Schritte und des Entdeckens auf sich zu nehmen.« Das sagt Heike Grebin, Professorin für Typografie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Wer mag ihr da widersprechen?
Überraschend fand ich ein Statement von Betina Müller, Professorin für Typografie an der Fachhochschule in Potsdamm. Sie sagt: »An der FHP kann man Kommunikationsdesign studieren, ohne auch nur einen Typokurs zu absolvieren. An der HTW in Berlin studiert man nahezu sechs Semester Typografie.«
Auf den ersten 180 Seiten werden studentische Projekte aus den verschiedenen Semester kurz präsentiert, darunter auch etliche Diplom-Arbeiten. Unter den Kapitelüberschriften »Schrift«, »Editorial« und »Experiment« wird ein Best-of gegeben, das neben der Vielfalt auch demonstriert, dass Typografie selten L’art pour l’art, immer Handwerk und meistens eben auch eine intellektuelle Tätigkeit ist.
Mir fällt gerade die Frage einer Studierenden zum Ende des dritten Semesters ein. Sie wollte von mir wissen: »Haben wir denn jetzt nie mehr Typografie?« – »Nein, niiiiiie mehr.«
Typoversity
Nadine Roßa, Andrea Schmidt, Patrick Marc Sommer (Herausgeber)
Norman Beckmann Verlag & Design, 240 Seiten
ISBN: 978-3-939028-25-3; 24,90 Euro
Tags: Ausbildung, Hochschule, Kommunikationsdesign, Lehrkonzept, Lehrplan, Norman Beckmann Verlag & Design, Typoversity, Uni
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April 27, 2011
Viel zu selten zeige ich hier Arbeiten aus eigener Produktion. Zwei Jobs, die mich gut ausfüllen, erlauben eben kaum noch Tätigkeiten als freier Gestalter.
Ich dokumentiere hier einmal ein kleines Vorhaben für den Musiker Christophe Schweizer, welches ich bereits 2010 in die Tat umsetzen durfte. Für das Ensemble Detected Orchestra sollte eine Wort- oder auch Wort-Bild-Marke entwickelt werden. Eingesetzt werden sollte sie zu Beginn auf digitalen Postkarten.

Zunächst versuchte ich einige spielerische Anordnungen der Buchstaben. Klein- oder Gemischtschreibweise … oder komplett in Versalien? In Richtung einer Grotesk sollte es nach meiner Meinung schon gehen … Ich hatte unter anderem die Idee, die Buchstaben in der Art anzuordnen, wie die Musiker einer Bigband auf der Bühne stehen.

Grafische Elemente und inverse Darstellungen kamen hinzu … Inspiriert haben mich die Bigbandschilder aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Hier sehen wir zum Beispiel nicht nur den Buchstaben O, sondern auch in den Trichter eines Blasinstrumentes hinein.

Welche Alternativen gibt es zum Zweizeiler? Welche Schriftkontraste – mager/fett, schmal/breit – haben einen besonderen Reiz? Wie sehr darf man auf des Lesers/Hörers Buchstabierfreudigkeit hoffen? Wann ist es nur noch ein Rätsel? – Ach ja, zwischendurch wurden die eigenen Ideen immer wieder mit denen des Kunden abgeglichen.

Über die Farbigkeit mache ich mir im Regelfall erst später Gedanken … Wieviel Farbe und wieviel Witz verträgt ein Logo? Wann wird es albern? – Noch einmal: ich zeige hier Ideenskizzen und Phasen eines Entwicklungs- und Kommunikationsprozesses. In der »Probierphase« darf – nein: muss – man auch einmal über das Ziel hinaus schießen … Das T spielt übrigens gerade ein Solo. Darum tritt es einen Schritt nach vorne …

Nach einigen Layouts und E-Mails konnten wir uns auf eine Schrift, eine Anordnung der Zeichen und ein Farbklima einigen.

Die digitale Postkarte sah schließlich so aus … Mit dem schummrigen Bokeh assozierte ich die atmosphärische Dichte eines Live-Konzertes in einem kleinen Club … Übrigens: wie diese kleine und ungewöhnliche Bigband klingt, das hören (und sehen) Sie hier.
Tags: Bigband, Christophe Schweizer, Detected Orchestra, Digitale Postkarte, Logo, work in progress, Wort-Bild-Marke, Wortmarke
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März 13, 2011
Für die Typo-Einsteiger des 2. Semesters im Wintersemester 2010/2011 hatte ich mir eine Aufgabe überlegt, die ich »Typo-Miniaturen« nannte. Es ging hierbei nicht konkret um ein Plakat, ein CD-Cover, ein Schild, eine Visitenkarte etc., sondern einzig darum, eine bestimmte Anzahl von Zeichen bzw. Zeilen auf einer Fläche möglichst intelligent anzuordnen.
Berücksichtigt werden sollten Aspekte wie Gewichtung, Hierarchisierung, Proportionierung, Rhythmisierung und Blickführung. Diese »Variationen eines Themas« verlangten von den Studierenden viel Selbstdisziplin und einen langen Atem.
Aufgeteilt in aufeinander aufbauende Phasen (horizontal, vertikal, diagonal) wurde die Komplexität der Auszeichnungsmöglichkeiten (fetter Schriftschnitt, größerer Schriftgrad, Farbe, Versalien, Schriftmischung) und der Gestaltungsmittel Linie und Fläche im Fortgang der Arbeit immer größer.
Ziel dieser Übung war es, dass die Studierenden lernen sollten – es klingt so banal, ist aber doch nie einfach –, ganz bewusst als Typografen zu agieren. Jede gestalterische Entscheidung sollte frei von Willkür und stets begründbar sein. Einige gelungene Arbeiten will ich hier präsentieren.
Nebenbei haben sich die Studierenden mit der Layout-Software Indesign angefreundet.

Typo-Miniaturen von Davina von Sobbe-Grimberg, Karolina Waal, Anna-Lena Mewes, Juliane Ollendorf, Sophia Pietsch, Anna Lena Thomsen, Anna Rohland, Samuel Naegele, Marc Smailes und Jens Paulsen.
Noch mehr Typo-Arbeiten aus meinen Typografie-Veranstaltungen gibt es auf flickr zu sehen.
Tags: Anfänger, Anna Lena Thomsen, Anna Rohland, Anna-Lena Mewes, Davina von Sobbe-Grimberg, Jens Paulsen, Juliane Ollendorf, Karolina Waal, Kunstschule Wandsbek, Layout, Marc Smailes, Samuel Naegele, Sophia Pietsch, Typografie-Unterricht, Typografische Miniaturen
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Dezember 26, 2010
Vor vier Wochen hat Jürgen Siebert das Buch »Read + Play. Einführung in die Typografie« im Fontblog vorgestellt. Ich habe mir das 144 Seiten starke Werk sogleich gekauft, kam jedoch erst gestern dazu, es zu lesen. Geschrieben und herausgegeben wurde es von zwei Lehrenden der Fachhochschule Mainz. Die Kommunikationsdesigner Prof. Jean Ulysses Voelker und Peter Glaab verstehen ihren Reader als ein kommentiertes Literaturverzeichnis. In sehr kompakter Form, zweisprachig und in drei Teile gegliedert, stellen die Autoren über 100 ausgewählte Bücher vor. Der Untertitel »Einführung in die Typografie« klingt bescheiden, ist es aber ganz und gar nicht.

Aus eigener Erfahrung – als Typografiedozent an einer privaten Berufsfachschule für Kommunikationsdesign – kann ich das Urteil der Autoren bestätigen. Ein Studienanfänger im Studiengang Kommunikationsdesign hat noch keine ausgeprägte Vorstellung von der Relevanz des Faches Typografie. Die Komplexität der Inhalte wird unterschätzt und über die vielfältigen Rollen des Designers und über die intellektuellen Herausforderungen des späteren Berufes weiß der junge Mensch noch wenig. Wer will es ihm übelnehmen?
Unterstellt man aber einmal, dass der Studierende die Wichtigkeit des Selbststudiums erkannt hat, dann ist »Read + Play« ein taugliches Werkzeug (für alle Semester!), mit dem der Lernende sich einen Weg durch den Typo-Dschungel bahnen kann.
Im ersten Teil erfährt man einiges über das Verhältnis von Typografie, Kommunikation, Kultur, Kunst, Technik, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Alle wichtigen Namen von Typografen (der letzten Jahrzehnte) – von Schwitters bis Bill, von Tschichold bis Carson, von Weingart bis Weidemann, von Müller-Brockmann bis Meiré – werden kurz genannt und kommentiert. Diese Name-Dropping-Liste lädt ein zu einer weiterführenden Lektüre. Das ist der Sinn dieses Buches: es liefert Stichworte, mit deren Hilfe der Leser sich die verschiedenen typografischen Zusammenhänge eigenständig erschließen kann. Man fragt sich, warum dieses Buch erst jetzt erscheint.
In einem zweiten Teil geht es dann um die Regeln der Typografie, das Lesen, die Schrift selbst und ihre Qualitätskriterien.
Im dritten und letzten Teil reflektieren die Autoren ihr Werk und ihren Anspruch und diskutieren mit einigen ihrer Mainzer Kollegen unter anderem die Frage, »was man Studenten zumuten kann«. Fragen der Macht, der Verantwortung, der Autorschaft und der Wissensvermittlung werden ebenso erörtert.
Mir gefällt dieses Buch, weil es implizit ein großes Thema auch meines Unterrichts formuliert. Was kann ich vermitteln und was muss ich unbedingt anssprechen, worauf kann ich nur verweisen und worauf darf ich vertrauen, was kann ich (in meinen 1,5 Semestern des Grundstudiums) leisten und was werden die Kollegen im Fortgang in ihrem Unterricht thematisieren?
Auch meine Studierenden bilden eine sehr heterogene Gruppe. Es bestehen Unterschiede in der Vorbildung, in den Erwartungen und Erfahrungen, in der Motivation, in der Bereitschaft zum Selbststudium. In schöner Regelmäßigkeit wird mir am Ende eines Semesters – mit Hilfe eines Feedback-Fragebogens – immer wieder attestiert, dass ich mal wieder viel zu viel – und viel zu wenig Theorie gemacht habe.
Und dann werde ich den Eindruck nicht los, dass die Lektüre von (Fach-)Büchern heute unter meinen Studierenden eher als uncool gilt. Wozu noch lesen, wenn es doch http://ffffound.com und http://www.behance.net gibt? Mit der Formulierung des letzten Satzes fordere ich zum Widerspruch auf.
Tags: Fachhochschule Mainz, Fachliteratur, Jean Ulysses Voelker, Kommunikationsdesign, Kunstschule Wandsbek, Literatur, Peter Glaab, Read + Play. Einführung in die Typografie, Studium, Typografie, Typographie
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Dezember 16, 2010
Die Studierenden aus meinem 2. Semester (WS 2010/2011) haben wieder einige Kalenderblätter entworfen. Die besten Arbeiten zeige ich auf der flickr-Seite der Kunstschule.

Layout: David Baudisch
Tags: Anfänger, Kalender, Kunstschule Wandsbek, Layout, Studium, Typografie-Unterricht
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